1. Der Teller reicht nicht mehr
Stellen Sie sich vor, Ihr Restaurant ist an einem durchschnittlichen Dienstagabend nur zur Hälfte ausgelastet. Die Küche ist vorbereitet, das Team steht – aber der Umsatz bleibt hinter den Erwartungen zurück. Eine Situation, die viele Gastronomen kennen. Klassische Kalkulationen geraten ins Wanken: Wareneinsatz plus Faktor X funktioniert schlechter, wenn Energie- und Personalkosten steigen.
An diesem Punkt hilft ein Perspektivwechsel. Statt das Hauptgericht immer teurer zu machen, lohnt es sich, den Gast über mehrere Berührungspunkte hinweg zu begeistern. Wer nicht nur satt, sondern zum Fan wird, ist eher bereit, zusätzliche Produkte oder Erlebnisse zu kaufen – vom Coffee-to-go über Workshops bis hin zu hausgemachten Saucen.
Ein Beratungssatz bringt es auf den Punkt: „Suchen Sie die Produkte mit dem geringsten Deckungsbeitrag und ersetzen oder ergänzen Sie diese durch margenstarke Zusatzartikel wie selbstgemachte Limonaden oder Merchandise.“ Für Gastronomen bedeutet das: Jede zusätzliche Einnahmequelle kann helfen, Schwankungen im Alltagsgeschäft abzufedern.
2. Die Marke zum Mitnehmen (Merchandise)
Ein Regal mit hübsch etikettierten Gläsern, daneben ein stapelweise verkaufter Stoffbeutel mit Ihrem Logo – solche Bilder kennt man vor allem aus hippen Cafés oder Burgerläden. Aber der Trend schwappt längst in die breite Gastronomie.
Eigene Produkte, die nachhallen
Hausgemachte Saucen, Dressings, Gewürzmischungen oder Marmeladen funktionieren besonders gut, wenn sie das kulinarische Profil Ihres Hauses widerspiegeln. Authentizität verkauft: Wer eine besondere BBQ-Sauce im Restaurant lobt, freut sich, sie auch zu Hause nutzen zu können. Solche „Retail-Produkte“ sind nicht nur nette Zusatzartikel – sie stärken die Marke und schaffen emotionale Bindung.
Kochbücher oder Rezepthefte funktionieren ähnlich. Sie bieten Gästen einen Mehrwert und positionieren Sie als Expertinnen und Experten Ihres Fachs. Gerade Betriebe mit spezifischem Konzept – etwa mediterraner Küche oder veganen Spezialitäten – profitieren von diesem Effekt.
Branding-Artikel: Gäste als Werbeträger
T-Shirts, Hoodies oder Stoffbeutel schaffen Sichtbarkeit. Vor allem dort, wo eine „Love Brand“ entsteht – Cafés mit Stammkundschaft, urbane Streetfood-Läden oder Konzepte mit einer klaren Identität. Solche Artikel machen Ihre Gäste zum wandelnden Marketingkanal.
Gutscheine: Der stille Umsatzgenerator
Gutscheine gehören zu den unterschätzten Umsatzbringern. Sie generieren Liquidität, bevor die Leistung erbracht wird – ideal etwa zur Finanzierung kleiner Investitionen oder saisonaler Off-Peaks.
Rechtlicher Hinweis: Behalten Sie im Hinterkopf, dass der Verkauf bestimmter Produkte rechtlich als Einzelhandel gilt. Je nach Umfang kann das genehmigungspflichtig werden oder andere Steuersätze auslösen.
3. Erlebnis statt nur Essen
Viele Gäste wünschen sich heute mehr als einen guten Teller – sie wollen Unterhaltung, neue Fähigkeiten oder Auszeiten vom Alltag. Genau hier setzen erlebnisorientierte Formate an.
Kochkurse, Barista-Workshops und Tastings
Ruhetage werden zu Kurs-Tagen: Ob Kochkurs, Barista-Schulung oder Cocktail-Workshop – die eigene Küche kann außerhalb der Stoßzeiten sinnvoll genutzt werden. Das schafft zusätzliche Einnahmen, ohne dass fixe Kosten steigen. Laut einer Analyse von SumUp wirkt Erlebnisgastronomie besonders nachhaltig: Sie erzeugt Emotionen und Erinnerungen, die ein normales Abendessen kaum leisten kann. Das macht Gäste weniger preissensibel.
Tastings – etwa für Gin, Whisky oder Wein – sind ein Klassiker. Sie funktionieren besonders gut, wenn Ihr Team Expertise mitbringt oder Sie mit lokalen Partnern zusammenarbeiten.
Show Dinner & Themenabende
Krimidinner oder Dunkelrestaurants zeigen, wie mächtig Inszenierung sein kann. Die Gäste kommen wegen des Erlebnisses, der Menüpreis tritt in den Hintergrund. Auch Themenabende – Mittelalter, asiatische Streetfood-Nacht, veganer Fine-Dining-Abend – schaffen Differenzierung und erlauben höhere Ticketpreise.
Ein paraphrasiertes Zitat bringt es treffend auf den Punkt: „Erlebnisgastronomie schafft, was Essen allein oft nicht kann: Emotionen, Lachen und bleibende Erinnerungen, die die Preissensibilität senken.“
Planbarkeit durch Tickets
Bei Events lässt sich der Umsatz gut kalkulieren, denn Tickets werden meist im Voraus verkauft. „No-Shows“ sind kaum ein Thema. Für Gastronomen ist das ein willkommenes Stück Planungssicherheit.
4. Kleine „Schnelldreher“ & To-Go
Während die Küche ein Menü zubereitet, passieren an der Theke oft die eigentlichen Margenwunder. Kleine Produkte mit geringem Wareneinsatz und hohem Impulspotenzial können wertvolle Zusatzumsätze bringen.
Kaffee – der ungeschlagene Klassiker
Kaffee ist einer der profitabelsten Artikel in der Gastronomie. Ein Rechenbeispiel von Gastro-Hero zeigt, dass bei einem Verkaufspreis von rund 2,00 Euro und Materialkosten von etwa 0,34 Euro der Wareneinsatz bei nur 17 Prozent liegt – deutlich unter dem Branchenschnitt. Dazu kommt: Coffee-to-go ist inzwischen für viele Gäste Standard. Der Tchibo-Kaffeereport zeigt, dass rund die Hälfte der Konsumenten eigene Mehrwegbecher nutzt.
Trend-Snacks, die begeistern
Kleine To-Go-Angebote wie Eis im Sommer, Bubble Waffles, Crêpes, Cake Pops oder Zuckerwatte funktionieren besonders gut in stark frequentierten Lagen. Der „Instagram-Faktor“ treibt die Nachfrage zusätzlich. Zuckerwatte etwa hat extrem niedrige Materialkosten – laut Gastro-Hero amortisiert sich eine entsprechende Maschine bei rund 20 Verkäufen pro Tag bereits nach zweieinhalb Monaten.
Das Prinzip: geringes Risiko, schneller Umsatz
Mit überschaubarem Aufwand und wenig Personal entstehen so attraktive Zusatzumsätze – ideal auch für Betriebe, die ihre Theke besser auslasten möchten.
5. B2B & Werbepartnerschaften
Nicht nur Gäste vor Ort sorgen für Umsatz. Ein Blick über den Tellerrand eröffnet weitere, oft erstaunlich rentable Einnahmequellen.
Werbeflächen clever nutzen
Speisekarten, Tischaufsteller oder Newsletter bieten Platz für lokale Partner. Ob Taxiunternehmen, Brauerei oder Weinhandlung – viele zahlen gern für Präsenz im Umfeld ihrer Zielgruppen. G-wie-Gastro beschreibt mehrere Beispiele, wie solche Kooperationen zusätzliche Einnahmen bringen können.
Catering & „Rent a Cook“
Firmenfeiern, Jubiläen, Weihnachtsfeste oder private Geburtstage bieten enormes Potenzial. Catering erweitert das Geschäftsmodell über die eigenen Räumlichkeiten hinaus. Gleiches gilt für „Rent a Cook“-Formate, bei denen Köche direkt vor Ort für Kundinnen und Kunden kochen. Auch Lieferdienste können als verlängerte Werkbank der eigenen Küche dienen.
Für Gründer.de zeigt in seiner Analyse des Gastronomie-Businessplans, dass solche Zusatzgeschäfte besonders attraktiv sind, wenn sie zu Ihrem Konzept passen und nicht zu viel zusätzliche Logistik erfordern.
Fazit / Ausblick
Wer in der Gastronomie heute erfolgreich sein will, braucht mehr als ein gutes Küchenkonzept. Merchandise, Kurse, Events und kleine To-Go-Artikel können Umsatzlücken schließen, starke Markenbilder erzeugen und den Durchschnittsbon pro Gast steigern. Diversifizierung ist nicht nur ein Trend, sondern ein stabilisierender Faktor in einem herausfordernden Markt.
Die nächsten Jahre dürften diesen Trend weiter verstärken: Gäste wünschen sich Erlebnis, Individualität und Produkte, die sie mit nach Hause nehmen können. Wenn Sie jetzt die für Ihren Betrieb passenden Zusatzangebote testen, sichern Sie sich einen Vorsprung – und schaffen wertvolle neue Standbeine für Ihr Geschäft.
Kurz-Check für Ihren Betrieb
- Welche Flächen (Regale, Theke, Ruhetage) bleiben bislang ungenutzt?
- Welche Produkte oder Erlebnisse passen authentisch zu Ihrem Konzept?
- Wo entstehen die höchsten Margen – und wie können Sie diese ausbauen?
So starten Sie Schritt für Schritt in ein breiteres, stabileres Geschäftsmodell.