1. Mehr als nur Hintergrundbeschallung
Stellen Sie sich vor, Ihre Gäste betreten den Raum, setzen sich, und noch bevor das erste Glas eingeschenkt ist, spielt ein Jazz-Duo einen weichen Einstieg in den Abend. Genau dieses Live-Erlebnis sorgt für Atmosphäre, die keine Playlist der Welt leisten kann: Die Präsenz der Musiker, die kleinen Interaktionen, der visuelle Reiz – all das schafft eine intensivere Bindung zum Moment.
Der Trend geht klar in Richtung Erlebnis-Dinner. Gäste möchten heute mehr als „nur essen“; sie wollen Geschichten, Stimmungen, kleine Höhepunkte. Live-Musik kann da zum entscheidenden USP werden – vorausgesetzt, sie ist fein austariert. Denn eine übermotivierte Band kann den gleichen Effekt haben wie eine schlecht abgestimmte Gewürzmischung: Sie dominiert, statt zu ergänzen.
Für Gastronomen bedeutet der richtige Einsatz von Live-Musik vor allem drei Dinge: ein argumentierbarer Aufpreis beim Menüpreis, eine längere Verweildauer und damit höherer Getränkeumsatz – und im besten Fall ein Event, das sich herumspricht. Ein Gastronom fasst es im Research so zusammen: „Live-Musik rechtfertigt für uns einen Aufschlag von 10 bis 15 Euro auf das Menü. Die Gäste zahlen das gerne für das Erlebnis.“
2. Das richtige Genre & Setting wählen
Nicht jede Musik passt zu jedem Konzept. Und nicht jede Besetzung passt in jeden Gastraum. Darum lohnt es sich, vor der Buchung genau zu definieren, welches musikalische Profil den Abend tragen soll.
Welches Genre passt zu welchem Stil?
- Jazz oder Swing eignen sich hervorragend für gehobene Gastronomie: elegant, unaufdringlich, mit klassischem Flair.
- Akustische Singer-Songwriter- oder leichte Pop-Cover funktionieren gut in modernen Bistros oder Casual-Dining-Konzepten. Sie schaffen Nähe, ein Gefühl von „Wohnzimmer mit Service“.
- Klassik, etwa Piano oder ein kleines Streichensemble, wirkt sehr formell – ideal für Gala-Dinner oder festliche Menüabende.
Und die No-Gos? Heavy Metal oder Techno gehören nicht in ein Dinner-Format – außer Sie betreiben ein extrem spezialisiertes Nischenkonzept. In den allermeisten Fällen gilt: Musik darf nie die Hauptrolle spielen, wenn Gäste essen und miteinander sprechen möchten.
Weitere hilfreiche Tipps zur Planung finden Sie in einem praxisorientierten Beitrag eines Musiker-Duos: „Planung eines Events mit Musik“ auf der Website von Sarah & Luca.
Platzbedarf realistisch einschätzen
Ein klassischer Planungsfehler: Die Künstler stehen plötzlich mitten im Gang oder zu nah an den Tischen.
Als Faustregel gilt:
- Solo- oder Duo-Acts (z. B. Piano und Gesang) kommen oft mit etwa zwei bis drei Quadratmetern aus und wirken trotzdem wertig.
- Ganze Bands brauchen eine kleine Bühne – was bedeutet, dass Tische weichen müssen. Das kann Umsatz kosten und sollte von Anfang an einkalkuliert werden.
Die Bühne darf außerdem nicht direkt am Eingang stehen – Gäste sollen sich setzen, ankommen und dann in Ruhe in das musikalische Ambiente eintauchen.
3. Der Endgegner: Lautstärke & Akustik
Wenn Live-Musik scheitert, dann fast immer an der Lautstärke. Der häufigste Beschwerdegrund lautet: „Wir konnten uns nicht unterhalten.“ Ein Schlagzeug in einem kleinen Gastraum? Eher keine gute Idee. Ein Musiker aus der Recherche bringt es auf den Punkt: „Ein Schlagzeug in einem 80-Quadratmeter-Restaurant ist meist der Tod der Gemütlichkeit. Wir empfehlen Cajóns oder reine Akustik-Sets für Dinner-Events.“
Akustik clever planen
Für kleine Räume eignet sich:
- Unplugged-Sets
- Reduzierte Schlagwerke (z. B. Besen auf dem Snare, Cajón statt Bassdrum)
- Dezente Instrumente wie akustische Gitarre, Saxophon, oder sanftes Piano
Technisch gilt: Lieber mehrere kleine, dezent eingestellte Lautsprecher im Raum verteilen, statt eine große Box voll aufzudrehen. Dadurch wirkt die Musik gleichmäßiger und weniger aufdringlich.
Und ganz wichtig: Ein Soundcheck ist zwingend nötig – idealerweise im leeren Raum, aber mit dem Wissen, dass später 40, 60 oder 100 Gäste den Schall dämpfen. Das heißt: Während der Probe klingt es oft lauter als später im Event. Diese Erfahrung muss man einkalkulieren.
4. Rechtliches & Kosten: GEMA, AKM & Co.
Das rechtliche Fundament eines Dinner-Konzerts ist simpel: Wer Live-Musik anbietet, muss sie anmelden. Punkt. Und viele Gastronomen tappen in die Falle zu glauben, Live-Acts seien durch ihre Hintergrundmusik-Pauschale abgedeckt. Das ist leider falsch.
GEMA in Deutschland: Was Sie wissen müssen
Für Live-Musik in Restaurants ist in vielen Fällen der Tarif U-V („Unterhaltungsmusik mit Musikern“) relevant.
Wesentliche Faktoren für die Höhe der Gebühr:
- Raumgröße (oft in 100-Quadratmeter-Schritten berechnet, siehe GEMA-Tarife)
- Ob Eintrittsgeld oder ein Menüpreis mit Musikanteil erhoben wird
- Ob die Veranstaltung einmalig oder regelmäßig stattfindet
Weitere Informationen finden Sie direkt bei der GEMA:
- Übersicht für die Gastronomie: https://www.gema.de/de/musiknutzer/branchen/gastronomie
- Leitfaden zur Anmeldung von Live-Veranstaltungen: https://www.gema.de/de/musiknutzer/veranstaltungen
Wichtig: Nach dem Event muss eine Setlist eingereicht werden – also Titel und Komponisten der gespielten Stücke. Dafür bleiben in der Regel bis zu sechs Wochen Zeit. Ein Hinweis aus dem Recherchematerial bringt es drastisch auf den Punkt: „Wer Live-Musik nicht anmeldet, begeht streng genommen Diebstahl an den Urhebern. Die Nachzahlungen sind oft doppelt so teuer wie die reguläre Anmeldung.“
Österreich und Schweiz: AKM & SUISA
In Österreich übernimmt die AKM die Rechtewahrnehmung, in der Schweiz die SUISA. Die Prinzipien ähneln der GEMA: Gebühren nach Raumgröße, Art des Events, Musikanteil. Wer in diesen Ländern Veranstaltungen durchführt, sollte sich unbedingt direkt bei den jeweiligen Gesellschaften informieren – am besten bereits ein bis zwei Wochen vor dem Termin.
KSK-Abgabe nicht vergessen
In Deutschland gilt: Wer professionelle Künstler engagiert, kann abgabepflichtig gegenüber der Künstlersozialkasse werden. Diese Abgabe wird oft vergessen – gehört aber zu den regulären Kosten eines Live-Musik-Events.
5. Organisation & Ablauf
Ein gelungenes Dinner-Konzert hängt weniger davon ab, ob die Musiker brillant spielen – sondern davon, ob Ablauf und Küche harmonieren. Timing ist alles.
Sets und Gänge aufeinander abstimmen
Typisch sind drei Sets à 30 Minuten. Ideal ist:
- Ein warmes, einladendes Set zum Aperitif
- Ein reduziertes Set nach dem Hauptgang, damit sich Gäste unterhalten können
- Ein etwas präsenteres Set nach dem Dessert, etwa zum Digestif
Musiker sollten wissen, wann Gänge serviert werden, damit keine Balladen mitten im Servicefeuerwerk stecken bleiben.
Klare Briefings
Zu jedem guten Event gehört ein professionelles Briefing:
- Wo ziehen sich die Musiker um?
- Gibt es Crew-Verpflegung?
- Welche Lautstärke ist gewünscht?
- Welche Titel sollten im Set eher vorne oder hinten stehen?
Je besser die Kommunikation, desto entspannter der Abend.
Fazit & Ausblick
Live-Musik ist ein kraftvolles Werkzeug für Erlebnisgastronomie: Sie hebt die Atmosphäre, schafft Erinnerungen und kann den Deckungsbeitrag steigern. Entscheidend ist jedoch, dass Genre, Akustik und rechtliche Rahmenbedingungen sorgfältig abgestimmt sind. Wer das Thema sauber plant, kann seinen Gästen einen echten Mehrwert bieten – und sich klar vom Wettbewerb abheben.
In den kommenden Jahren wird sich der Trend zur Eventgastronomie weiter verstärken. Gäste möchten „Szenen erleben“, nicht nur speisen. Wenn Sie jetzt anfangen, Ihr erstes Dinner-Konzert zu planen, sind Sie früh dran – und Ihrer Konkurrenz einen Schritt voraus.
Kurz-Check für Ihren Betrieb
- Passt das Genre zur Küchenphilosophie und zum Raum?
- Ist die Lautstärke durchdacht (Akustik, Besetzung, Technik)?
- Sind GEMA bzw. AKM/SUISA rechtzeitig informiert?
- Sind Ablauf, Service und Musiker sauber gebrieft?
- Ist der Platz für die Künstler realistisch eingeplant?