1. Vom Straßenrand auf den Teller
Stellen Sie sich einen lebhaften Food-Market vor – brutzelnde Pfannen, Duft von frischen Kräutern, neugierige Gäste, die mit dem Smartphone in der Hand probieren und posten. Dieses Bild steht inzwischen sinnbildlich für eine Entwicklung, die in der professionellen Gastronomie längst angekommen ist: Street Food hat sein altes Image abgelegt. Aus „schnell und billig“ wurde „handwerklich, kreativ, authentisch“.
Der Wandel wurde durch zwei Faktoren beschleunigt. Zum einen haben Gäste immer weniger Zeit, wollen aber trotzdem Qualität und Erlebnis. Zum anderen sind viele gut gereist – und erwarten, dass ein Banh Mi hierzulande genauso frisch und aromatisch schmeckt wie in Hanoi. Fachmedien wie KTCHNrebel sprechen sogar davon, dass Street Food zum Qualitätsbotschafter geworden ist und Trends hervorbringt, die später fest in der Restaurantwelt landen.
Bekanntes Beispiel: Die Burger-Welle, die einst in US-Foodtrucks begann und heute Gourmetrestaurants prägt. Genau diese Dynamik zeigt, warum Street Food für Gastronomen und Hoteliers so spannend ist: Es ist ein Risikolabor – und gleichzeitig ein stilprägender Umsatztreiber.
2. Trend 1: Asia 2.0 – Korea & Vietnam
Kaum eine Küche dominiert Social Media derzeit so stark wie die koreanische. Ob auf TikTok oder Instagram: Corn Dogs, Tteokbokki oder K-Fried Chicken ziehen Millionen Views – und junge Gäste in entsprechende Konzepte.
Korean Corn Dogs, auch Gamja-hotdog genannt, sind das derzeit wohl ikonischste Beispiel. Innen dehnbarer Käse, außen eine knusprige Panade aus Kartoffelwürfeln, oft noch leicht gezuckert – eine Geschmackskombination, die polarisiert, aber neugierig macht. Für Gastronomen bietet sie ein Paradebeispiel für „instagrammable“ Snacks, die sich gut vorbereiten und schnell ausgeben lassen.
Aus Indien schwappt mit dem interaktiven Snack „Pani Puri“ ebenfalls ein Trend herüber. Gastrofacts beschreibt ihn als perfekte Bar- oder Eventlösung: kleine hohle Teigbällchen, die frisch mit würzigen Füllungen serviert werden – ein kurzer Showmoment inklusive.
Auch Vietnam liefert weiterhin Impulse. Banh Mi ist längst etabliert, doch die Entwicklung geht weiter: hochwertige Pâtés, sous-vide gegartes Fleisch und regionale Gemüsevarianten erhöhen die Qualitätswahrnehmung und damit den Preis.
Was die drei Küchen verbindet:
- starke Aromen (Schärfe, Umami)
- klare Social-Media-Tauglichkeit
- hervorragende Skalierbarkeit durch einfache Grundbausteine
Für die Praxis heißt das: Wer ein junges, urbanes Publikum anspricht – oder seine Barkarte verjüngen möchte –, findet hier verlässliche Umsatzbringer.
3. Trend 2: Premiumisierung des Bekannten
Während die einen Neues probieren, setzen andere auf die Luxus-Variante des Vertrauten – und das mit beeindruckendem Erfolg. Der „New Wave Kebab“ ist dafür das beste Beispiel.
In München verkauft „Hans Kebab“ Döner aus Wagyu-Fleisch für rund 35 Euro. Ein Preis, der zeigt, wie weit Street Food die alte „Imbiss-Schublade“ verlassen hat – und wie hoch die Zahlungsbereitschaft für Qualität inzwischen ist. Auch in Berlin wird das Konzept gelebt: Bei „Kebap with Attitude“ gehören Bio-Fleisch, Trüffel oder Spargel zum Standardrepertoire.
Sogar die Hotellerie hat das Potenzial erkannt. Das Hotel Adlon in Berlin serviert einen Döner mit sous-vide-gegartem Kalbsrücken und Trüffel – zu einem Preis von etwa 33 Euro. Die Botschaft ist überall dieselbe: Gäste möchten vertraute Gerichte, aber in einer Qualität, die überrascht.
Petra Barran, Gründerin des europäischen Street-Food-Netzwerks KERB, bringt es im Interview mit KTCHNrebel auf den Punkt: „Ich wollte, dass es normal wird, gutes Essen auf der Straße zu essen. Ich wollte nicht, dass das nur in Restaurants möglich ist.“ Genau dieser Anspruch spiegelt sich in der Premiumisierung wider.
Für Gastronomen bedeutet das:
- Klassiker funktionieren – wenn sie neu gedacht werden.
- Qualität steigert nicht nur Geschmack, sondern auch die Marge.
- Bekannte Formate wie Döner, Currywurst oder Sandwiches bieten ein niedriges Einstiegshindernis für Experimente.
4. Trend 3: Latin & Levant
Während Korea und Vietnam die Social-Media-Bühne dominieren, wachsen parallel zwei weitere Wellen: lateinamerikanische und levantinische Street-Food-Küchen.
Allen voran: Birria Tacos. Ursprünglich aus Mexiko, bestehen sie aus geschmortem Fleisch, das in den eigenen Bratensaft getunkt und anschließend in der Pfanne kross gebraten wird. Dazu gibt es eine würzige Consommé zum Dippen – ein herrliches Gericht, das mit wenig Aufwand ein spektakuläres Ergebnis liefert. Auch Chilaquiles, eigentlich ein Frühstücksgericht aus knusprigen Tortilla-Chips mit Soße und Toppings, werden zunehmend salonfähig.
Aus der Levante kommen vegetarisch geprägte Trendsetter. Sabich – ein Sandwich mit frittierter Aubergine, hartgekochtem Ei und der fruchtig-scharfen Amba-Sauce – bietet eine komplexe Geschmackswelt, die ideal für flexitarisches Publikum ist. Ergänzt wird das durch Jollof Rice Bowls, die über die UK-Szene langsam nach Europa schwappen und laut Gastrofacts zunehmend Aufmerksamkeit erhalten.
Gemeinsam haben diese Gerichte:
- Sie sind aromatisch komplex, aber mit überschaubarem Aufwand umsetzbar.
- Sie funktionieren hervorragend als Bowls, Sandwiches oder Barfood.
- Sie bieten starke vegetarische bzw. vegane Optionen.
Für Betriebe mit gemischtem Publikum – etwa Hotels oder Stadtgastronomie – liefern sie damit eine spannende Differenzierungsmöglichkeit.
5. Adaption: Wie Hoteliers profitieren
Hoteliers stehen oft vor der Frage: Wie lassen sich internationale Trends in ein bestehendes Konzept integrieren, ohne gleich die gesamte Küche umzustellen? Die Antwort ist einfacher, als es zunächst klingt.
Street-Food-Gerichte eignen sich perfekt für:
- Bar-Food: Statt der klassischen Nüsse können Mini-Tacos, kleine Bao Buns oder Pani Puri gereicht werden – alles Snacks, die Emotionen wecken und gleichzeitig die Verweildauer erhöhen.
- Lobby- oder Eventkonzepte: Eine „Food-Market“-Atmosphäre bringt Bewegung in Firmenveranstaltungen oder Afterwork-Formate und ersetzt langweilige Buffets durch frische Varietäten.
- Ghost Kitchens: Viele Hotels verfügen über große Küchen, die außerhalb der Hauptservicezeiten kaum ausgelastet sind. Street-Food-Marken lassen sich dort als Delivery-Angebot effizient betreiben.
- High-End-Convenience: Gerade bei Personalmangel kann hochwertige Convenience helfen, etwa vorportionierte Teige oder vorbereitete Eiprodukte für schnelle Street-Food-Snacks. Gastrofacts betont, dass damit auch komplexere Gerichte skalierbar werden.
Ein fiktiver O-Ton eines Hoteldirektors fasst die Entwicklung treffend zusammen: „Unsere Gäste wollen an der Bar keinen Clubsandwich mehr, sie wollen koreanische Fried Chicken Wings oder Bao Buns.“
Fazit & Ausblick
Street Food ist längst kein Nebenformat mehr, sondern ein strategischer Baustein für Restaurants, Bars und Hotels, die relevant bleiben wollen. Die drei großen Trendrichtungen – Asia 2.0, Premiumisierung und Latin/Levant – zeigen, wie vielfältig und margenstark das Segment geworden ist. Entscheidend ist nicht das Kopieren eines Originals, sondern eine gute Interpretation: authentische Aromen, klare Handschrift, hochwertige Zutaten.
Wer jetzt mutig in kleine, flexible Gerichte investiert, kann sich neue Zielgruppen sichern – vor allem Gen Z und Millennials, die Snackification längst verinnerlicht haben. In den kommenden Jahren dürften Street-Food-Konzepte weiter an Bedeutung gewinnen, ob als Barfood, Pop-up oder Hybridlösung in der Hotellerie. Wenn Sie jetzt ein bis zwei Trends testen, sind Sie Ihrer Konkurrenz bereits einen Schritt voraus.
Kurz-Check für Ihren Betrieb
- Passt ein Street-Food-Gericht als Ergänzung zu Ihrer aktuellen Barkarte?
- Können Sie eine Premiumversion eines bekannten Klassikers anbieten?
- Gibt es in Ihrer Küche Leerlaufzeiten, die für ein Delivery-Konzept genutzt werden könnten?
- Haben Sie ein vegetarisches/veganes Trendgericht für flexible Konsumwünsche?
- Nutzen Sie bereits hochwertige Convenience, um Personal zu entlasten?
Weiterführende Quellen:
- Qualitätstrends und Premiumbeispiele unter „Qualität statt Junk: der Street Food Trend“ auf KTCHNrebel.
- Street-Food-Potenziale und Convenience-Lösungen bei Gastrofacts.
- Überblick über internationale Einflüsse im Magazin von Kühne.
- Kritische Perspektive auf Authentizität bei GEO.
Fertig ist Ihr Street-Food-Radar – und vielleicht bald auch das nächste Gericht auf Ihrer Karte.