TL;DR
- Hochauflösende Farbkameras und neue KI-Modelle ersetzen laut Miso die bisherige Erkennung zweidimensionaler Markierungen.
- Die Laboreinheit unterschied nach Herstellerangaben ähnlich aussehende Mozzarella- und French-Toast-Sticks.
- Bei einer Metallgabel im Korb verweigerte das System laut Mitteilung den Garvorgang.
- Welche Produktvarianten die angebotene Ausführung unterstützt, bleibt für Küchen mit wechselndem Sortiment zu klären.
Farbkameras und KI sollen Gegenstände und ihre Lage erkennen
Miso führte Flippys neue Wahrnehmungstechnik am 15. Oktober 2026 während der LA Tech Week an einer Laboreinheit vor. In seiner am 20. Oktober veröffentlichten Pressemitteilung beim US-Branchenportal QSR Web beschreibt der Hersteller den Wechsel von markierungsbasierter Erkennung zu einer räumlichen Wahrnehmung von Gegenständen.
Bisher hätten Infrarotkameras zweidimensionale Markierungen verfolgt. Nun übernehmen laut Miso hochauflösende Farbkameras und neue KI-Modelle diese Aufgabe. Sie sollen Objekte erkennen und deren Position sowie Ausrichtung bestimmen.
Am Frittierkorb lässt sich das anschaulich erklären: Das System soll den Korb erkennen, erfassen, wo er steht, und bestimmen, in welche Richtung er ausgerichtet ist. Diese Informationen verbinden das Kamerabild mit der Bewegung des Roboters. „3D-Sicht“ bezeichnet hier diese räumliche Wahrnehmung.
Wie die Technik die räumlichen Informationen gewinnt, erläutert die Veröffentlichung nicht im Detail. Angaben zur Kameraanzahl und zum Tiefenmessverfahren fehlen ebenso wie Werte zur Genauigkeit.
Ähnliche Sticks und eine Metallgabel im Frittierkorb
Miso nennt für die Produkterkennung ein konkretes Beispiel: Die Laboreinheit habe ähnlich aussehende Mozzarella- und French-Toast-Sticks voneinander unterschieden. Außerdem habe sie bei einer Metallgabel im Korb den Garvorgang verweigert. Beide Fälle stammen aus der Herstellerbeschreibung der Vorführung.
Für eine Küche mit wechselndem Sortiment berührt das eine praktische Aufgabe. Äußerlich ähnliche Sticks können unterschiedliche Lebensmittel sein. Bei saisonalen Aktionsartikeln hängt der Einsatz deshalb auch davon ab, welche Produkte die gelieferte Version erkennt und wie das Team weitere Artikel einrichten kann.
Die Mitteilung nennt weder Erkennungsquoten noch die Zahl der Wiederholungen. Auch Fehlalarme, Reaktionszeit und zusätzlicher Durchsatz werden darin nicht beziffert. Die Beispiele beschreiben damit einzelne vorgeführte Fähigkeiten; eine allgemeine Fremdkörpersicherheit oder eine belastbare Rechnung zur Personalbesetzung lässt sich daraus nicht ableiten.
Kameras müssen mit Hitze, Dampf und Fett zurechtkommen
Jeff Faneuff, bei Miso für Softwareentwicklung verantwortlich, beschreibt in der Oktober-Pressemitteilung die schwierigen Bedingungen für Kameras in Küchen. Er nennt Hitze und Dampf sowie Fett und Reflexionen auf Oberflächen. Seine Einschätzung stammt aus dem Entwicklerteam des Herstellers.
An der Fritteuse arbeitet eine optische Erkennung unter anderen Bedingungen als bei einem sauber ausgeleuchteten Produktfoto. Für den Küchenalltag bleibt deshalb relevant, wie das System mit verschmutzter Optik oder einer unsicheren Produktzuordnung umgeht und wann es Unterstützung vom Team verlangt. Eine unabhängige Bewertung der neuen Wahrnehmungstechnik liegt bislang nicht vor.
Miso und NVIDIA arbeiten bereits seit 2024 an der Bilderkennung
Miso beschrieb bereits im Oktober 2024 die Zusammenarbeit mit dem KI-Technologieanbieter NVIDIA an visueller Verarbeitung in Echtzeit. Auch die Flippy-Ankündigung vom Januar 2025 erwähnte ein gemeinsam entwickeltes Sichtsystem.
Die Oktober-Vorführung betrifft eine Weiterentwicklung innerhalb dieser bestehenden Zusammenarbeit. Wie sich sämtliche Kamera- und Hardwaregenerationen voneinander abgrenzen, lässt sich aus den Veröffentlichungen nicht vollständig rekonstruieren.
Miso erwartet erste Auslieferungen im Dezember 2026
Miso erwartet laut seiner Mitteilung vom 20. Oktober erste Auslieferungen im Dezember 2026. Der Termin bleibt eine Herstellerankündigung. Belastbare Angaben zu Lieferbarkeit, Service und Nachrüstung der neuen Ausführung in Deutschland, Österreich und der Schweiz fehlen bislang.
Interessierte Küchen können ihre Anfrage am eigenen Sortiment festmachen. Nennen Sie dem Anbieter die verwendeten Mozzarella-Sticks mit ihrer konkreten Produktausführung und lassen Sie erläutern, ob die angebotene Version diese unterstützt. Dazu passt die Auskunft, wie das System bei unsicherer Zuordnung oder verschmutzter Optik reagiert und welchen Handgriff es dann vom Küchenteam erwartet.