1. Der Durst nach Wissen: Warum Tastings boomen
Stellen Sie sich einen Dienstagabend vor – sonst eher ruhige Stimmung im Gastraum. Doch an diesem Abend stehen 15 Gäste erwartungsfroh um einen großen Holztisch, Gläser klirren, ein Sommelier erzählt vom Schiefer der Mosel. Genau dieses Bild steht für den Trend zur Erlebnisökonomie: Menschen wollen Qualität, Austausch und Wissen statt „Happy Hour für Fortgeschrittene“.
Der Wandel hin zum bewussten Genuss zieht sich durch alle Kategorien – vom Riesling über IPA bis hin zu alkoholfreien Angeboten wie Kaffee-, Tee- oder Schokoladentastings. „Ein Wein schmeckt anders, wenn man die Geschichte des Winzers kennt. Wir verkaufen keine Flüssigkeit, wir verkaufen Emotionen“, beschreibt ein Sommelier treffend die neue Erwartungshaltung.
Tastings bedienen dieses Bedürfnis ideal. Sie sind Edutainment – ein Mix aus Unterhaltung und Lernen – und genau das macht sie zu einem attraktiven Format für moderne Genussmenschen. Für Betriebe bedeutet das: Sie können sich differenzieren, Expertise zeigen und neue Communities anziehen.
2. Konzept & Thema: Mehr als nur „Rotwein“
Der Erfolg beginnt mit dem Thema – und hier lohnt es sich, spitz zu denken. „Weinprobe“ klingt austauschbar, während „Riesling-Reise durch Deutschland“ oder „Old World vs. New World“ sofort neugierig machen. In der Bierwelt sind Formate wie „IPA vs. Pale Ale“ oder „Craft Beer & Food Pairing“ längst Publikumsmagnete. Event-Portale wie Jochen Schweizer zeigen, dass außergewöhnliche Themen besonders gefragt sind – eine gute Inspirationsquelle.
Auch Spirituosen lassen sich hervorragend inszenieren: Gin-&-Tonic-Baukästen, Whisky-und-Schokolade-Kombinationen oder Rum mit Outdoor-Zigarrenlounge. Wichtig ist, dass das gewählte Thema zur Identität Ihres Hauses passt. Ein Landgasthof mit Fokus auf Regionalität könnte regionale Braukunst präsentieren, während ein Boutique-Hotel eher auf elegante Weinreisen setzt. Authentizität schlägt Trendjagd.
Denken Sie außerdem darüber nach, wer Ihre Zielgruppe ist:
- Genießer mit Vorwissen (eher tiefergehende Themen)
- neugierige Einsteiger (spielerisches Format, einfache Sprache)
- Firmenkunden (Teambuilding, moderierte Sessions)
- Feinschmecker, die gerne neue Pairings entdecken
Die Erfahrung zeigt: Je klarer das Thema, desto höher die Ticketpreise – und desto besser die Vermarktung.
3. Planung & Kalkulation: Damit die Kasse stimmt
Ein Tasting wirkt charmant unkompliziert – tatsächlich steckt dahinter einiges an Planung. Der Ticketpreis muss nicht nur den Wareneinsatz abdecken, sondern auch Personalaufwand, Raumnutzung, Vorbereitung und Marketing. Kalkulieren Sie realistisch: Was kostet ein Flight aus fünf Weinen oder sechs Bieren? Wie viel Personal benötigen Sie für Gläserservice, Moderation und Logistik?
Kooperationen können hier bares Geld sparen. Winzer und Händler stellen für Events häufig kostengünstig oder sogar kostenlos Ware bereit – im Gegenzug dürfen sie präsentieren oder verkaufen. Eine klassische Win-win-Situation, die viele Häuser erfolgreich nutzen.
Ideal sind Gruppen von 10 bis 20 Personen. Das schafft Exklusivität, erlaubt Interaktion und verhindert, dass die Veranstaltung zur Massenabfertigung wird. Kleinere Gruppen lohnen sich, wenn Sie einen hohen Ticketpreis aufrufen. Größere Gruppen funktionieren eher bei Basic-Tastings.
Ein weiteres Thema, das leicht unterschätzt wird: Ausstattung.
Dazu gehören:
- ausreichend Gläser (inklusive Spüllogistik)
- Wasser zum Neutralisieren
- Spucknäpfe – für professionelle Tastings unverzichtbar
- Brot oder neutrale Snacks
Besonders wichtig: Jugendschutz klar kommunizieren und einhalten – gerade bei Spirituosen tastings.
Unter dem Strich gilt: Ein sauber geplantes Tasting ist nicht nur ein Image-Event. Es kann ein echter Deckungsbeitragsbringer sein – vor allem an schwachen Tagen wie Dienstag oder Mittwoch.
4. Der Faktor Mensch: Moderation & Storytelling
Die beste Weinauswahl nützt wenig, wenn die Moderation trocken wie ein leerer Weißburgunder ist. Ein Tasting steht und fällt mit der Person, die führt. Ob eigener Sommelier, Barchef, Winzer oder Brand Ambassador: Der Moderator verleiht dem Event Charakter.
Ein externer Experte bringt oft seine eigene Community mit – ein Pluspunkt für die Reichweite. Brand Ambassadors von Herstellern arbeiten gelegentlich sogar kostenlos, wirken aber stärker werblich. Ein interner Experte dagegen stärkt die Positionierung Ihres Hauses als Kompetenzzentrum.
Storytelling ist das Herzstück. Gäste wollen nicht wissen, dass der Wein 12,5 % Alkohol hat – das steht auf dem Etikett. Sie wollen hören, warum der Winzer sein erstes Fass zerstört hat oder wie der Schieferboden die Säure prägt. „Tastings sind das effizienteste Marketing-Tool. Sie holen Gäste ins Haus, die sonst vielleicht nie gekommen wären, und machen sie in zwei Stunden zu Fans“, betont ein Gastro-Berater.
Mit einer guten Moderation wird aus einer Produktpräsentation ein emotionales Erlebnis.
5. Marketing & Ticketing: No-Shows vermeiden
Viele Betriebe kennen das Problem: Bei reservierten, aber kostenlosen Veranstaltungen taucht ein Teil der Gäste nicht auf. Die Erfahrungswerte aus der Event-Gastronomie sind deutlich: Mit Vorkasse sinkt die No-Show-Rate von rund 20 % auf unter 2 %. Die Lösung lautet also: verbindlicher Ticketverkauf.
Verkaufen Sie Tickets über:
- eigene Website
- Newsletter (erfahrungsgemäß bester Kanal)
- Social-Media-Events
- physische Aufsteller im Restaurant
- Geschenkgutscheine (vor allem zu Weihnachten sehr relevant)
Hier lohnt sich ein Blick auf Best-Practice im Weinbereich: Das Deutsche Weininstitut (DWI) zeigt in seinen Seminaren und Eventformaten, wie strukturiert professionelle Planung aussehen kann – vom Konzept bis zur Teilnehmerkommunikation. Ein guter Orientierungspunkt ist zum Beispiel die Sammlung der DWI-Events unter deutscheweine.de.
Auch die Event-Seiten von Jochen Schweizer helfen beim Feintuning: Welche Themen funktionieren? Wie werden Erlebnisse beschrieben? Wie hoch sind marktübliche Preise?
Der psychologische Nebeneffekt von Vorkasse wirkt ebenfalls für Sie: Wer bezahlt hat, kommt – oder verschenkt das Ticket weiter.
6. Das „Danach“: Cross-Selling nutzen
Viele Betriebe unterschätzen das Potenzial nach dem letzten Schluck. Ein Tasting ist oft nur der Türöffner für weitere Umsätze. Nutzen Sie den „Aha“-Moment Ihrer Gäste:
- Kombinieren Sie das Tasting mit einem anschließenden Menü.
- Bieten Sie eine Spezialkarte oder einen Tasting-Teller an.
- Ermöglichen Sie Flaschenverkauf – idealerweise mit einem kleinen Preisvorteil für Teilnehmer.
- Ermöglichen Sie „Korkgeld“, wenn Gäste die Flasche direkt im Restaurant genießen wollen.
Ein Hotelier formulierte es so: „Für uns ist das Tasting der perfekte Eisbrecher. Gäste kommen wegen des Whiskys und bleiben wegen der Küche.“
Sammeln Sie – DSGVO-konform – E-Mail-Adressen der Teilnehmer, um sie zum nächsten Event einzuladen. So entsteht ein Zyklus: Teilnehmer werden zu Stammgästen, Stammgäste zu Fans.
Fazit / Ausblick
Tastings sind weit mehr als gesellige Abende mit ein paar Gläsern. Sie sind Inszenierungen, Markenbildung und Umsatzmotor in einem. Wer ein klares Thema wählt, sorgfältig kalkuliert, einen starken Moderator einsetzt und auf Vorkasse setzt, verwandelt ruhige Wochentage in ausverkaufte Genussabende.
Der Trend zum bewussten Genuss wird in den kommenden Jahren weiter wachsen – angetrieben von Erlebnislust, Bildungsinteresse und dem Wunsch nach exklusiven Momenten. Gastronomiebetriebe, die jetzt mit durchdachten Tasting-Formaten starten, sichern sich einen klaren Wettbewerbsvorteil.
Wenn Sie in den nächsten Wochen ein kleines, gut kuratiertes Tasting planen, könnten Sie schon bald eine neue Stammkundengruppe begrüßen – und Ihren „toten Dienstag“ zum lebendigsten Abend der Woche machen.
Kurz-Check für Ihren Betrieb
- Thema spitz genug?
- Ticketpreis inkl. aller Kosten realistisch kalkuliert?
- Moderator mit Personality gefunden?
- Vorkassensystem eingerichtet?
- Cross-Selling-Angebote vorbereitet?
- Marketingkanäle aktiviert?