Mittwoch, 11. Februar 2026 GastroNews – Magazin für Profis
Technologie

AR & VR in der Gastronomie: Mehr als nur Spielerei – echte Umsatzhebel und Trainingstools

Digitale Speisekarten, virtuelle Trainings und interaktive Tisch-Erlebnisse – AR und VR haben sich längst aus der Gaming-Ecke befreit. Für Gastronomie und Hotellerie bieten sie heute handfeste Vorteile: bessere Verkaufszahlen, schnellere Schulungen und ein moderner Auftritt, der Gäste begeistert. Doch wo lohnt sich der Einstieg wirklich?

1. Realität trifft digitale Welt

Stellen Sie sich vor, ein Gast richtet sein Smartphone auf den QR‑Code Ihrer Speisekarte – und plötzlich erscheint ein perfekt modellierter 3D-Burger direkt auf dem Tisch. Keine Zukunftsmusik, sondern längst gelebte Praxis. Die Branche hat in den vergangenen Jahren einen Digitalisierungsschub erlebt, und der nächste Schritt heißt: immersive Technologien.

Kurz zur Einordnung:

Beide Technologien sind nicht mehr nur „nice to have“. Sie wandeln sich zu echten Business‑Tools. Laut einer Analyse von rooom.com setzen bereits rund 29 Prozent der Unternehmen AR/VR im Marketing ein – und es werden mehr. Der Trend schwappt nun in Restaurants und Hotels über: weg vom Gimmick, hin zum Nutzen.

2. Das Auge isst mit 2.0: AR-Speisekarten

Wer kennt es nicht: Ein Gericht klingt spannend, aber so richtig vorstellen kann man es sich nicht. Gerade internationale Küchen oder kreative Neuinterpretationen bringen Gäste schnell an die Grenzen ihrer Vorstellungskraft. Hier kommt AR ins Spiel.

Durch das Scannen eines QR‑Codes erscheint das Gericht als maßstabsgetreues 3D-Modell auf dem Tisch – inklusive Portionsgröße, Textur und Deko. Der Effekt ist verblüffend und wirkt. Die Burgerkette Peter Pane nutzt genau dieses Prinzip: Gäste können ihren Burger vor der Bestellung „in echt“ sehen. Ein Unternehmenssprecher betont im Gespräch mit dem Mewa‑Blog, dass die Anwendung „echten Informationswert“ liefert – weit entfernt von den früheren Spaßfiltern à la Snapchat.

Auch international zeigen AR‑Menüs messbare Erfolge. Die AR-App Kebaq arbeitete mit der US-Kette Bareburger und testete virtuelle Dessert-Modelle. Das Ergebnis: Gäste, die das Dessert in 3D angesehen hatten, bestellten 25 Prozent häufiger Nachtisch. Die Auswertung wurde von BHS Tabletop aufgegriffen und zeigt, dass visuelle Reize Impulskäufe deutlich verstärken.

Für Betriebe bedeutet das:

Und das Beste: Für AR-Speisekarten brauchen Sie in vielen Fällen keine komplexe Technik. Das Smartphone der Gäste reicht aus.

3. Entertainment am Tisch

Während Küchen auf Hochtouren laufen, sitzen Gäste am Tisch – und warten. Warum also nicht diese Zeit nutzen, um das Erlebnis aufzuwerten? Entertainment am Tisch wird vielerorts zum Wettbewerbsvorteil.

Ein bekanntes Beispiel ist „Le Petit Chef“ von Skullmapping. Hier projiziert ein Deckenbeamer einen winzigen, animierten Koch auf den Teller. Er „kocht“ das kommende Gericht, schafft Vorfreude und liefert gleichzeitig eine Show. Achtung: Technisch handelt es sich nicht um AR per Smartphone, sondern um sogenanntes Projection Mapping – das Prinzip ist aber ähnlich: Die Realität wird durch digitale Inhalte erweitert.

Auch Gamification gewinnt an Boden. Auf interaktiven Tischoberflächen können Gäste etwa kleine Spiele spielen, während sie auf ihr Essen warten. Andere Betriebe setzen auf Apps: Ein kurzer Scan des Tisches oder des Menüs zeigt beispielsweise die Herkunft von Zutaten oder die Geschichte eines Weins. Solche Mikroerlebnisse schaffen Gesprächsstoff, erhöhen die Verweildauer und sorgen für reichlich „Instagrammable Moments“.

Für Gastronomen hat das konkrete Vorteile:

4. VR im Back-Office: Mitarbeiterschulung ohne Risiko

Nicht nur am Gästetisch, auch im Back-Office entfalten immersive Technologien ihr Potenzial. Fachkräftemangel, hohe Fluktuation und wenig Zeit für Einarbeitung – ein bekanntes Dreieck in der Branche. VR kann hier gewinnbringend ansetzen.

Mit VR-Brillen lassen sich Abläufe realistisch nachstellen, ohne den Betriebsfluss zu stören. Auszubildende decken virtuelle Tische ein, üben Laufwege oder trainieren den Umgang mit schwierigen Gästen. In der Küche können Handgriffe und Rezepturen geprobt werden, ohne dass Lebensmittel verbraucht werden. Und für technische Aufgaben, etwa an Kaffeemaschinen oder Zapfanlagen, gibt es Remote-Assistenz via AR: Ein Experte schaltet sich auf Tablet oder Brille und zeigt genau, welcher Schritt als Nächstes kommt.

Ein HR-Ausbilder fasst es treffend zusammen: „VR ermöglicht es uns, Auszubildende Situationen erleben zu lassen, die im echten Betrieb Stress verursachen würden – im virtuellen Raum können sie gefahrlos Fehler machen und daraus lernen.“

Dass solche Trainings funktionieren, zeigt ein Beispiel aus der Industrie: Laut einer Analyse von ScienceSoft stieg bei Boeing die Arbeitsqualität von Neulingen durch AR-Training um 90 Prozent, die Trainingsdauer sank um 30 Prozent. Natürlich sind das keine Gastrozahlen – doch sie illustrieren das Potenzial für komplexe Handgriffe.

Für Betriebe bedeutet VR‑Training:

5. Hürden & Kosten: Lohnt sich der Einstieg?

So spannend AR und VR klingen: Viele Verantwortliche zögern wegen der vermeintlich hohen Einstiegshürden. Ein genauer Blick zeigt jedoch: Der Aufwand ist oft geringer als gedacht.

Für AR reicht das Smartphone der Gäste oder Mitarbeitenden. Hardwarekosten entstehen kaum. Schwieriger wird es beim Content – also den 3D-Modellen der Speisen. Diese müssen erstellt werden, etwa über Photogrammetrie. Der Aufwand lohnt sich jedoch vor allem bei Signature Dishes oder hochmargigen Produkten.

Bei VR fallen zwar Anschaffungskosten für Brillen an, doch es gibt inzwischen modulare Plattformen, die sich ohne eigene App-Entwicklung anpassen lassen. Damit sinkt die Einstiegsschwelle auch für kleine und mittlere Betriebe.

Wichtig bleibt: Technologie sollte Gastfreundschaft nicht ersetzen, sondern unterstützen. Ein persönliches Gespräch am Tisch ist durch keine 3D-Animation der Welt zu überbieten.

Fazit: Auf dem Weg in den immersiven Hospitality-Mix

AR und VR sind längst mehr als futuristische Spielereien. Richtig eingesetzt, können sie den Umsatz steigern, Prozesse vereinfachen und Mitarbeitende schneller fit machen. Ob 3D-Speisekarte, Projection-Mapping-Erlebnis oder VR-Schulung: Die Technologien schaffen Mehrwert – für Gäste, Teams und den Betrieb.

In den kommenden Jahren wird immersive Technik weiter an Bedeutung gewinnen. Je früher Sie sich mit den Möglichkeiten beschäftigen, desto leichter finden Sie passende Anwendungen für Ihren Betrieb. Wer heute beginnt, digitale Erlebnisse klug zu integrieren, verschafft sich einen Vorsprung im Wettbewerb um Gäste und Talente.

Kurz-Check für Ihren Betrieb

Wer diese Fragen mit „Ja“ beantworten kann, ist bereit für den ersten Schritt in die immersive Zukunft der Gastronomie.

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